Dokus und Reportagen "Re ↦ Montenegro und die Gewalt gegen Frauen"
Titel
Re ↦ Montenegro und die Gewalt gegen Frauen
Kurzbeschreibung
In Montenegro erleben viele Frauen häusliche Gewalt – und für die meisten ist es sehr schwer, Schutz und Gerechtigkeit zu finden. Zwei Frauen setzen sich für sie ein: Sabina Talović bietet Betroffenen im Norden des Landes Zuflucht und Unterstützung, die Juristin Maja Raičević bemüht sich in der Hauptstadt Podgorica um strengere Gesetze.
Erweitere Beschreibung
Mitten in der Nacht wird Sabina Talović zur Polizei gerufen. Eine Frau braucht Schutz vor häuslicher Gewalt. Für die 60-jährige Aktivistin gehört ein solcher Einsatz zum Alltag. „Gewalt kennt keine Uhrzeit“, sagt sie. Seit 1999 bietet ihre Organisation „bonafide“ Frauen in der Kleinstadt Pljevlja im Norden Montenegros einen sicheren Zufluchtsort – und Hilfe für einen Neuanfang. Viele der Frauen haben jahrelange Misshandlungen erlebt. Slava suchte mit ihrer Tochter immer wieder Schutz im Frauenhaus, bevor sie sich von ihrem Mann trennte. Ivana lebt heute an einem geheimen Ort. Die Gewalt ihres früheren Partners hat tiefe Spuren hinterlassen; seit neun Jahren hat sie ihre Kinder nicht gesehen. Andere wie Enisa haben mit Sabinas Unterstützung ein selbständiges Leben aufgebaut.Während Sabina unmittelbar hilft, kämpft Maja Raičević in der Hauptstadt Podgorica gegen die strukturellen Ursachen der Gewalt. Die beiden Frauen sind entschlossen, sich trotz persönlicher Risiken gegen Gewalt und für die Selbstbestimmung anderer Frauen in Montenegro einzusetzen.Die Frauenrechtlerin Maja begleitet den Bruder einer getöteten Frau zu einer Gerichtsanhörung. Er fordert Gerechtigkeit für seine Schwester Alma, doch die juristische Bewertung der Tat sorgt für Entsetzen. Ein eigener Straftatbestand für Femizid fehlt im Land bislang. Maja spricht mit dem Justizminister über eine Verschärfung des Rechts. Mit Erfolg: Tatsächlich beschließt das Parlament im Herbst 2026 ein Gesetz, das die Tötung aus geschlechtsbezogenen Motiven als Tatbestand anerkennt. Ein erster Schritt. Doch Vorurteile und fehlende Schutzstrukturen bleiben als Problem bestehen – und deshalb auch die Angst vieler Frauen.