Serie "Aufgewachsen unter Glatzen - Teil 2: Das Erbe der Baseballschlägerjahre ↦ Das Erbe der Baseballschlägerjahre (2022)"
Titel
Aufgewachsen unter Glatzen - Teil 2: Das Erbe der Baseballschlägerjahre ↦ Das Erbe der Baseballschlägerjahre (2022)
Erweitere Beschreibung
"National befreite Zonen", Springerstiefel, Baseballschläger: Bis weit in die 2000er-Jahre beherrschten Angst und Gewalt viele Regionen der früheren DDR. Die Schrecken wirken nach - bis heute. 30 Jahre nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen im August 1992 widmet sich die zweiteilige Dokumentation der gewaltvollen Nachwendezeit und dem eklatanten Staatsversagen, das die "Baseballschlägerjahre" möglich gemacht hat. Wie sehr sich diese Erfahrung auch in die Seelen der Menschen eingebrannt hat, zeigen mehrere literarische Neuerscheinungen - auch aus dem Blickwinkel von Tätern und Mitläufern. "Die eigene Hässlichkeit kann ein Rausch sein. Wenn man ... das Grauen in den Gesichtern derer sieht, die einen beobachten und verachten, aber sich nicht an einen herantrauen, dann strömt Macht durch die Adern wie elektrischer Strom": So beschreibt der Journalist und Schriftsteller Daniel Schulz, wie es sich anfühlt, wenn man mit einer Horde Glatzen in Bomberjacken eine Gaststätte betritt. "Die schauen alle plötzlich nach unten!" Daniel Schulz' in 2022 erschienenes Buch "Wir waren wie Brüder" ist das derzeit jüngste, eindringliche Buch in einer langen Reihe von Werken, in denen ostdeutsche Autorinnen und Autoren sich ihrem ganz persönlichen Trauma der "Baseballschlägerjahre" stellen. Bei Schulz ist es nicht nur die Angst, Opfer zu werden - sondern auch die Scham, bei den Tätern mitgelaufen zu sein, um ungeschoren davon zu kommen. Woher kam die rohe Gewalt? Wie konnte der Staat so versagen, dass fast eine ganze Generation von ostdeutschen Jugendlichen in Angst aufgewachsen ist? Haben wir daraus gelernt? Oder sind die "Baseballschlägerjahre" vielleicht noch gar nicht wirklich vorbei?Autorinnen und Autoren wie Hendrik Bolz, Manja Präkels und Lukas Rietzschel, Künstlerinnen wie Henrike Naumann sowie interkulturelle Vermittlerinnen wie Mai-Phuong Kollath kämpfen mit ihren Büchern und ihrer Kunst heute um eine Aufarbeitung dieser dunklen Zeit.